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Sonntag, 22. Januar 2012

[Eclipse Phase Politics] Teil 3 - Merkur

Im dritten Teil der Reihe befasse ich mich mit dem sonnennächsten und kleinsten Planeten Merkur. Der Beitrag ist die Fortsetzung meiner Reihe Eclipse Phase Politics (hier entlang zu Teil 1 und 2).

Teil 3 – Merkur

Beteiligte Fraktionen
Planetarisches Konsortium, Hypercorps, Unabhängig („Dirt Sifters“)

Quelle
Politische Brennpunkte:
Merkur, der primär zum Abbau von Schwermetallen, zur Gewinnung von Antimaterie und der Nutzung von Solarenergie dient und kaum als souveräne Welt mit einer eigenen Kultur bezeichnet werden kann, ist einer der klimatisch herausforderndsten Planeten des Sonnensystem. Neben den über einem Dutzend Hypercorps, die auf der Planetenoberfläche und im Orbit ihre Geschäfte unter den wachsamen Augen des Planetarischen Konsortiums machen, gibt es noch die Minderheit der sogenannten Dirt Sifters, den selbsternannten wahren Bewohner Merkurs. Vereinfacht lassen sie sich als souveräne Gemeinschaft beschreiben, deren Mitglieder nichts mit dem Konsortium zu tun haben wollen und größtenteils ebenfalls nach den Bodenschätzen Merkurs graben. Ironischer Weise ist ein autarkes Leben ob der widrigen Umstände jedoch nicht möglich, sodass die Dirt Sifter trotzdem nicht ohne mit dem Konsortium zu handeln überleben können. Hierbei kommt es regelmäßig zu Konflikten, denn die Hypercorps sind sich ihrer vorteilhaften Lage, wie z.B. der Kontrolle des Orbits und der Rückendeckung durch das Planetarische Konsortium, sehr wohl bewusst. Abseits der verzweifelten Bemühungen der Dirt Sifters um mehr Selbständigkeit, findet man auf Merkur im Wesentlichen die üblichen politischen Reibungspunkte eines Systems, in dem zu viele unterschiedliche Hypercorps um Gewinn und Absatz ringen.

Leaked Cables:

  • Vor einigen Wochen ist ein Video aufgetaucht, in denen zwei gekidnappte Fa Jing Wissenschaftler zu sehen sind, die Forderungen einer radikalen Dirt Sifter Splittergruppe vorlesen, in denen sie die Einstellung jeglicher Hypercorps Aktivitäten unterhalb des 40. südlichen Breitengrades fordern. Fa Jing, die nach wie vor immer noch abstreiten an jeglichem Bergbau südlich des Äquators beteiligt zu sein, haben angeblich professionelle Söldner vom Mars einfliegen lassen, die derzeit auf der Suche nach den vermissten Wissenschaftlern sind. Dirt Sifter Aktivisten berichten von Menschrechtsverletzungen in zwei "fahrenden Siedlungen".
  • Auf Hellwatch, dem bürokratischen Knotenpunkt der Tätigkeiten des Planetarischen Konsortiums auf Merkur, erhärten sich erneute Korruptionsbeschuldigungen der örtlichen Beamten. Mehrere kleinere Hypercorps haben sich zusammengeschlossen und haben offiziell um Ermittlungen gebeten beim Planetarischen Konsortium auf Progress im Marsorbit. Nicht unter ihnen sind Fa Jing und Direct Action, die selbst mit in die Anklagen einbezogen sind, da sie vermutlich haufenweise Credits in den bürokratischen Apparat auf Hellwatch fließen lassen haben, um sich gegenüber den anderen kleineren Konzernen einen Vorteil beim chartern von Transportern zu erkaufen. Tatsächlich ist eine verdeckt ermittelnde Delegation der Aufsichtsbehörde Oversight auf dem Weg, um das Chaos auf dieser Provinzstation des Konsortiums zu beseitigen.
  • Botschafter der schwebenden Habitate auf Venus und Mitglieder der Morningstar Constellation haben vor einigen Monaten mit den Dirt Sifters in Al-Hamadhanj erste Verhandlungen abgeschlossen, in denen sie gemeinsame Abbau- und Handelsprojekte in der Zukunft planen. Per Abstimmung unter allen Bewohnern wurde dem Vorschlag zugestimmt und so wird in wenigen Wochen Morningstar seine ersten drei Förderanlage auf Merkur in Betrieb nehmen. Dem Planetarischen Konsortium ist das natürlich ein Dorn im Auge.
  • Bei Niederschlagung eines Aufstands in einer der von Jaehon Offworld betriebenen Strafarbeitslager sind mehrere Dutzend Insassen getötet worden. Zehn Strafarbeiter konnten dabei jedoch in die kühlen Weiten der Merkurnacht entkommen und sind seitdem auf der Flucht. Sie haben bei einer "fahrenden Fabrik" Unterschlupf gefunden. Gemeinsam mit den Dirt Sifters, die selber Freunde und Familie haben, die verurteilt wurden und für Jaehon Offworld in den Minen schuften müssen, planen sie einen Angriff auf die Gefängniskolonie.
  • Omnicors Experimente mit Antimaterie haben bei allen andern Hypercorps auf Merkur Besorgnis erregt. Seit dem letzten Unfall in einer der Beschleunigeranlagen auf der Oberfläche, bei dem es fast zu einer Kontamination der Antimaterie kam, muss sich der Hypercorp Anschuldigungen wegen fahrlässiger Gefährdung von Menschenleben anhören. Die Tatsache, dass jüngst die XP eines Journalisten im Simulspace aufgetaucht ist, in dem er grobe Sicherheitslücken in Omnicors Forschungszentren aufdeckt, trägt nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei. Omnicors Forschungsstation Monolith-3 im Orbit Merkurs hingegen hat nach wie vor jeglichen Versuchen der Spionage stand gehalten und es werden wüste Verschwörungen gesponnen, was dort alles vor sich gehen mag. Der Journalist Gregor Luvalle ist ein Freelancer und gehört den Anarchisten an. Er ist nach dem Upload der XP  untergetaucht. Man kann ihn auf Al-Hamadhanj mit genügend @-rep antreffen.

Dienstag, 17. Januar 2012

[Eclipse Phase Politics] Teil 2 - Vulcanoids


Im zweiten Teil meiner Sammlung von politischen Brennpunkten im Sonnensystem von Eclipse Phase erkunden wir die in gleißendes Sonnenlicht gehüllten Vulkanoiden und stoßen auf das erste Pandora Tor, das in der Hand von TerraGen ist. Hier entlang zu Teil 1 und der Einleitung.

Teil 2 – Die Vulkanoiden und das erste Pandora Tor

Anwesende Fraktionen:
Planetarisches Konsortium, Morningstar, Hypercorps (TerraGen und Ecologene)

Quelle
Konfliktpunkte:
Seit der Entdeckung des Pandora Gates auf Caldwell und TerraGenesis‘ zügiger Annektierung ist es um die sonst recht einsamen Vulkanoiden etwas ungemütlich geworden. Die ehemals afrikanische Kooperative TerraGenesis sieht sich seither im Kreuzfeuer zwischen den Interessen des Planetarischen Konsortium, das im Gegenzug sogar Begünstigungen bei Terraforming Projekten auf Mars angeboten hat, die von ihrem eigenen Gate auf Mars aus stattfinden, und der Morningstar Allianz. Die Kooperative befindet sich zur Zeit in der zweifelhaften Position, von beiderlei Parteien umworben zu werden, doch ist ihr Kongress keinesfalls naiv und reguliert den Zugang zum eigenen Pandora Tor, wohl ihrem größten Ass im Sonnensystem, strengstens. Darüber hinaus verfolgen sie aufmerksam Ecologenes ehrgeiziges Treiben auf dem Asteroiden V/2014, der zu einer Cole Bubble transformiert werden soll. Die nach wie vor ungeklärten Umstände des Terrorangriffs auf das Pandora Gate und unzählige Gerüchte heizen die Stimmung zusätzlich an. 
Durch die besondere relative Bewegung von Caldwell und den vier im 90° Winkel aufgestellten Habitaten, die schlicht Quartett genannt werden, haben sich unfreiwillig verschiedene Saisons auf Caldwell eingestellt. Die jeweils nächste der vier Stationen wird als Ausgangsbasis für Expeditionen von denjenigen genutzt, die sich die horrenden Kosten für eine Station auf Caldwell selbst nicht leisten können. Da zwei Habitate aber unter der Verwaltung von Morningstar stehen und die anderen beiden dem Planetarischen Konsortium angehören, haben sich regelrecht feste Jahreszeiten etabliert zwischen denen es je eine inoffizielle Übergangsphase gibt. TerraGen ist mit diesem Arrangement mehr als zufrieden, wahrt es doch den zweifelhaften Frieden und Balance zwischen beiden politischen Blöcken.

Leaked Cables:
  • Der gescheiterte Terrorangriff war von Öko-Aktivisten vom Mars organisiert worden, die TerraGen durch die Zerstörung des Pandora Gates einen empfindlichen finanziellen Schaden zufügen wollten, damit Projekte der Kooperative zur Terraformung des Mars gestoppt oder zumindest verlangsamt werden. Aber wer glaubt schon, dass eine Handvoll Öko-Terroristen in der Lage seien, diesen Hochsicherheitskomplex zu stürmen?
  • Ecologene steckt hinter dem Angriff. Die rivalisierende Hypercorp wurde dabei von ihren Freunden, den Factors (die ja schon seit jeher vor der Benutzung der Gates gewarnt hat), mit Alien-Tech unterstützt. Wie sonst soll es denen gelungen sein, auf Caldwell bis zum Herzstück des Sicherheitsbereichs vorzudringen und beinahe die ganze Anlage in die Luft zu jagen. Nach dem Scheitern des Anschlags, baut Ecologene nun einen der Vulcanoiden, um gemeinsam mit den Factors die endgültige Vernichtung des Gates zu planen. Auf wessen Seite steht die Ecologene eigentlich? Und wohin führt dieses Gate, dass die Factors uns
  • Der ganze Vorfall ist von TerraGen selbst inszeniert worden, damit sie eine Ausrede für strengere Beschränkungen für Gate Expeditionen und höhere Sicherheitsbestimmungen haben. Die Kooperative hat auf einem der Exo-Planeten etwas sehr, sehr wertvolles gefunden und versucht nun, ihre Entdeckung geheim zu halten. 
  • Wer sich aus dem politischen Wirrwarr heraushalten möchte und dabei eine etwas rauhere Gesellschaft nicht scheut, kann sich in der Bar "The Hypothetical Planet", die sowohl physische als auch virtuelle Lokalität ist, mit selbsternannten Weltenforschern und anderen Glücksrittern anfreunden.  In Wahrheit ist diese Absteige der Stützpunkt einer Gruppe von Argonauten. 
  • Auch wenn Pathfinder bisher jegliche Schuldzuweisungen von sich weist, werden in unregelmäßigen Abständen immer wieder Personen verhaftet, die TerraGen der Spionage für ihren Rivalen Pathfinder bezichtigt. Ob dies reine Propaganda ist oder Pathfinders Netzwerke auf Caldwell noch viel tiefer greifen, ist populärer Tratsch auf wissenschaftlichen Diskussionsplätzen im Simulspace.
  • Forschungslabor Z4-311 ist anders als die anderen Labore der Ebene Z4 auf Caldwell. Offiziell wird es von einem privaten Sponsor mit Wohnsitz auf Lunar betrieben. Doch drinnen findet man keine Einrichtung, keine Ausrüstung, nichts, was auf irgendwelche wissenschaftliche Arbeit hindeutet. Einzig ein schlichtes Computerteminal steht inmitten des sonst leeren Raums und daneben sitzt eine AI auf einem Hocker. Wenn man die korrekte Begrüßung weiß, lässt sie einen den Computer bedienen...

Montag, 9. Januar 2012

[Eclipse Phase Politics] Teil 1 - Sol


Hier der erste Versuch, eine schrittweise Übersicht über die politischen Beziehungen der Fraktionen im Sonnensystem herzustellen (wie hier besprochen) und die politischen Brennpunkte zu sammeln, angefangen (wie auch in Sunwards) zunächst mit den Sonnen nächsten Siedlungen und Welten bis schließlich an den Rand dieses Systems und darüber hinaus. Im Moment stell ich mir die Sammlung in drei Kategorien getrennt vor: Fraktionen - Konfliktpunkte - Leaked Cables. Letzteres sind Gerüchte oder eben durchgesickerte Meldungen, die in den jeweiligen Netzwerken die Runde machen.

Teil 1 – Sol

Anwesende Fraktionen:
Planetary Consortium – Argonaut/Titanian – Solarian

Quelle
Konfliktpunkte:
Wir haben also drei Interessengruppen in der unmittelbaren Sonnenumlaufbahn. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um Forschungsstationen verschiedener Fraktionen, wobei sich die Bewohner des Habitats Ukko Jylinä als einzige heimisch in der Sonnencorona sehen und argwöhnisch das Treiben der anderen zwei Stationen beobachten. Besonders Aten, was zwar offiziell vom Konsortium (der marsianischen New Shanghai Universität) gefördert wird, ist ihnen ein Dorn im Auge, da der Verdacht besteht, dass die Station genutzt wird, um in der Abgeschiedenheit illegale und gefährliche Forschungen zu betreiben. Während die Solarianer ihre Autarkie zu festigen versuchen, gab es in der Vergangenheit vermehrt Gerüchte über Angriffe auf Bürger Ukko Jylinäs in Suryan Morphs und mindestens vier bestätigte Vermisstenmeldungen sind im Simulspace auf Hoverman-Geischecker gelistet. Jenes Gemeinschaftsprojekt zwischen Argonauten und der Titanischen Autonomen Universität ist in den letzten Wochen zunehmend zu einem neutralen Vermittler zwischen den sich immer weiter aufheizenden Fronten geworden. Die Solarianer fürchten um ihren Lebensraum und vermuten, die vermissten Solarianer seien zufällig auf die schon längst vermuteten illegalen Machenschaften der Forschungseinrichtungen auf Aten gestoßen und mussten deshalb verschwinden. Es ist wahr, dass immer wieder vereinzelt Suryas spektrale Phänomene tief in der Corona der Sonne sichten, die auf Antimaterie Reaktionen hindeuten – eine Nachricht, die unter den indigenen Solarianern ein Grund für große Besorgnis ist.

Leaked Cables:
  • Trotz des eher schwierigen und mühsamen Dialogs mit der Suryanischen Gemeinschaft auf Ukko-Jylinä soll es in Zukunft regelmäßige Treffen zwischen Vertretern Ukko-Jylinäs und Atens auf Hooverman-Geischecker geben, um den bestehenden Konflikt zu entschärfen und die jüngsten Vorfälle (die vier vermissten Suryaner betreffend) aufzuklären.
  • Es sind mehr Hypercorp Funktionäre auf Hooverman-Geischecker als man glauben mag. Quasi die gesamte Tourismusbranche wird strengstens reguliert und Reisende von Außen bekommen auf ihrem Ausflug zum Zentrum des Sonnensystems nur so viel zu sehen, wie die Hypercorps zulassen. Die Argonauten und Autonome Universität sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Wer also auf das echten Abenteuer aus ist und die Sonne unzensiert sehen will, der sollte im Simulspace nach "Flipper", einem Solarianischem Urgestein, Ausschau halten.
  • Die oberen Stockwerke des Molecular Genetics Turms auf Aten sind vor kurzem renoviert worden. Dafür sind extra Spezialisten von der Venus gekommen und alles wurde unter höchster Geheimhaltung vorgenommen. Angeblich ist unter ihnen auch der, im Planetarischen Konsortium wegen Verbrechen gegen die Transhumanistische Gesellschaft gesuchte und ehemals bei Skinaethesia beschäftigte, Neurologe Dr. Damien Hoover gewesen. 
  • Eine radikale Bewegung innerhalb des Direct Action Hypercorps ist mit der Entwicklung eines "Red Buttons" beschäftigt: Eine Kettenreaktion, die die Sonne aus dem Gleichgewicht und schließlich zum Kollaps bringen soll, als letzte Instanz bei einer Rückkehr der TITANs. 
  • Vermutlich ist die Suryanische Gemeinschaft in zwei Lager gespalten. Eine fundamentalistische Gruppierung aus mehrheitlich Wal und Delphin Uplifts, die sich selbst "Die Sonnenbarke" nennt, verweigert den angestrebten Dialog. Über nicht zurück verfolgbare Kanäle haben sie in der Vergangenheit vermehrt mit drastischen Mitteln gedroht, um illegale Experimente Atens in der Corona notfalls gewaltsam zu stoppen.
  • Eine der vermissten Personen, die seit einem mehrwöchigen Forschungsausflugs in der Corona offiziell als vermisst gilt, steht laut den veröffentlichten Dokumenten, die ein anonymer Hacker beim Zugriff auf Atens Datenbank sicherstellen konnte, auf der Gehaltsliste von Direct Action und war mit unklassifizierten Projekten der höchsten Sicherheitsstufe betraut.
Das sollte erstmal für den Anfang und den eh relativ überschaubaren solaren Lebensraum reichen. Weiter geht's dann mit den Vulcanoiden und Merkur.

Freitag, 6. Januar 2012

Eclipse Phase

Your mind is software. Program it.
Your body is a shell. Change it. 
Death is a disease. Cure it. 
Extinction is approaching. Fight it. 

Eclipse Phase ist ein noch recht junges Rollenspiel um eine transhumanistische Gesellschaft, die sich nach einem katastrophalen Zwischenfall mit AI Experimenten auf der Erde kurz vor der kompletten Vernichtung sieht und nun anfangen muss, ihre wenigen verbliebenen Überreste, die über unser Sonnensystem verstreut sind neu zu organisieren. Die Spieler werden darin Teil dieser post-Erde Ära und dürfen in einem minutiös ausgearbeiteten Setting sowohl das Potential als auch die Gefahren einer Welt erkunden, in der der Mensch die nächste Stufe der Evolution erklommen hat. Das Spiel wurde unter Creative Common Lizenz herausgegeben und die Bücher können hier runtergeladen werden. Ich will hier in dem folgenden Beitrag weniger auf die regeltechnischen Aspekte und Inhalte des Spiels eingehen, sondern mehr einen Eindruck über die Welt und den Fluff der Bücher präsentieren.


Hintergrund: Kurz vor dem Fall war die Menschheit nur noch einen Schritt entfernt von Traum des Transhumanismus. Technische Entwicklungn ermöglichen das Hochladen des Egos (einige sprachen auch von der Seele des Menschen) in andere, synthetische Körper, sogenannte Morphs. Der Tod schien ausgetrickst. Doch dann kam es zum Fall. Durch Experimente des Militärs mit künstlicher Intelligenz kommt es zur Singularität. Das Total Information Tactical Awareness Network (TITANs) hat den Sprung von einem high-tech Netzwerk zu einer ich-bewussten Entität geschafft, das in der Lage ist, sich eigenständig weiter zu entwickeln. Kurz darauf beginnen die Angriffe auf Großstädte rund um den Globus. Die Nationen und Völker, zu beschäftigt mit den jahrhunderte alten Fehden und Kriegen, stürzen in ein desaströses Chaos aus Beschuldigungen und Drohungen bis hin zu Kriegserklärungen, ohne den wahren Grund der Angriffe zu erkennen. Als dann doch schließlich klar wird, dass die TITANs hinter all dem stecken, ist es zu spät und ein Großteil der Menschheit bereits ausgelöscht. Die wenigen, denen die Flucht von der Erde in die zahlreichen Habitate im Orbit, auf dem Mars und Mond gelungen ist, mußten viel aufgeben. Zahllose Menschen, die sich keinen Platz auf den wenigen Raumschiffen leisten konnten, versuchten ihr Glück darin, ihr Ego hochzuladen, in der Hoffnung irgendwann in der Zukunft an einen neuen Morph zu gelangen.
Dann, so plötzlich wie die Angriffe die TITANs angefangen haben, verschwanden sie. Mit einem Mal waren sie weg und hinterließen ein unvollbrachtes Werk: Der kleine Rest der Menschheit, der die Flucht von der nun unbewohnbaren Erde überlebt hat, war über das gesamte Sonnensystem verstreut worden, ein Großteil von ihnen lediglich als digitale Kopie in Großcomputern gespeichert. Es dauerte fast zehn Jahre bis sich die Menschen - oder viel mehr TransMenschen - von diesem Schock erholt haben. Jetzt, 10 Jahre nach dem Fall, blüht die transhumanistische Gesellschaft wieder auf: Sei es in von Hypercorps kontrollierten Kolonien auf Mars, Venus und Luna; den unzähligen und zum Teil von automatisierten Arbeitsmorphs betriebenen Bergbau-Raumhabitaten im Asteroidengürtel; auf den Monden Jupiters, die von einem totalitäeren Militärregime kontrolliert werden; oder in den aberhunderten von autarken Habitaten, die teils isoliert vom Rest des Sonnensystems mit neuartigen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen experimentieren.
Dazu bieten noch die jüngst entdeckten Pandora Tore (Stargates in gruseliger) und der Kontakt mit den Factors, hoch entwickelten Schleim Aliens, allerhand zu erforschendes Material.

Kurz zum Buch (auch nur weil's wirklich so schön ist): Das Ganze wird in einem qualitativ hochwertigen Format präsentiert, den es nicht überall zu sehen gibt. Durchweg stimmungsvolle vollfarbige Illustrationen runden die sowieso schon sehr stimmungsvolle Aufmachung ab. Die Navigation durch die sinnvoll strukturierten Kapitel wird super einfach über eine tab-ähnliche Darstellung am Seitenrand ermöglicht. Absolut grossartige Idee. Da haben sich ein paar Leute wirklich viel Mühe gemacht!

Was wird gespielt?
Kommen wir zur wirklich wichtigen Frage: Wer sind die Charaktere und was machen sie? Und hier bin ich mich nicht ganz sicher, ob das Grundregelwerk und alle bisher erschienenen Bücher das Potential von Eclipse Phase vollends ausschöpfen. In den Büchern wird vorgeschlagen, die Spielercharaktere seien Mitglieder von Firewall, einer diversifizierten, verschwörerischen Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die transhumanistische Gesellschaft vor jeglichen Gefahren zu schützen, die ihre Existenz bedrohen. Dabei werden sie z.B. als Agenten gegen Hypercorp Verschwörungen oder zur Verhinderung von Experimenten mit zu mächtiger AI überall dort eingesetzt, wo Firewall eine Gefahr sieht. Das alles klingt sehr nach den Taten klassischer Rpg Helden, die von verschiedensten Fraktionen beauftragt werden mal hier die böse Eishexe in den ewigen Weiten der Schneewüste zu bekämpfen oder dort das Ritual des Dämonenbeschwörers rechtzeitig zu verhindern bevor die dreigehörnten Teufel die Seelen der Dorfbewohner verzehren. Irgendeine Gefahr kommt auf: Schickt die Firewall Agenten! Das Problem darin ist viel weniger, dass dies schlecht oder falsch wäre, sondern liegt in der Tatsache, dass dieses Setting so viel mehr zu bieten hat.

Bisher offiziell publizierte Abenteuer sind:

Glory - in dem die Charaktere nach einer vermissten Person suchen sollen und dabei grausames entdecken.
Mind the WMD - in dem die Charaktere eine Ladung sicherstellen sollen, die eine potentielle Gefahr birgt
Bump In The Night - in dem die Charaktere ein seltsames Verschwinden von Leuten aufklären sollen
Continuity - in dem die Charaktere auf einem Raumschiff aufwachen ohne Erinnerung was in den letzten Stunden passiert ist.

Ich hab noch keinen Blick in Ego Hunter werfen können, aber die Kurzbeschreibung hört sich spannend an.

Die Abenteuer lesen sich durchweg sehr spannend. Aber ich habe das Gefühl, dass dabei ein wichtiger Aspekt des Eclipse Phase Settings etwas kurz kommt. Die Autoren haben sich immense Mühe damit gegeben, eine interessante und in meinen Augen glaubwürdige Zukunftsvision zu schaffen unter der vorgegebenen Prämisse. Es wird nicht nur ein alternatives Wirtschaftssystem vorgestellt, was - bis außer im konservativen planetarischen Konsortium - den bisher vorherrschenden traditionellen Kapitalismus ablöst, sondern Eclipse Phase geht dabei noch einen Schritt weiter. Alternative politische Systeme sind in den äußeren Siedlungen längst Standard und Soziale Netzwerke die Plattform auf der Interaktion stattfindet.

Ich fänd es schade, wenn diese potentiellen Konfliktpunkte nicht ausreichend ausgereizt werden würden. Dabei will ich nicht die üblichen Heldengeschichten (in denen die Chars mal wieder den Tag retten) nicht völlig verdrängen. Aber mir schweben politische Szenarien vor, in denen Anarchos durch Hackerattacken die Autorität der Jovianischen Republik untergraben und im Simulspace von Presse- und Meinungsfreiheit lehren. Ich will Arbeiteraufstände in New Dazhai auf Mars sehen, die gewaltsam niedergeschlagen werden von der korrupten Konzern-Sicherheitsagentur.

Und genau hier liegt meiner Meinung nach der Hund begraben: Die Spielwelt riecht zu sehr nach Ponyhof! Wo sind die Auseinandersetzungen, die noch kurz vor dem Fall fast ohne zutun der TITANs zum Tod von Millionen geführt haben? Ist ja schön und gut, wenn der Fall die Menschheit tatsächlich zusammen geschweißt hat. Doch das kauf ich nicht ab. Die Überreste sind ja eh noch vorhanden: In den totalitären Regimen der inneren Welten und Habitate und den von kapitalismus geprägten Gemeinschaften, die noch immer nicht begriffen haben, dass aufgrund von unbegrenzt zur Verfügung stehender Energie es keine so ausgeprägte Kluft zwischen Arm und Reich, Besitzer und Besitzlosen mehr geben muss.

Ich denke, dass Firewall als Institution perfekt ist, um das Spiel in Richtung Transhumanismus vs. Bedrohung X zu treiben und dadurch spannende Actionabenteuer zu erleben. So weit, so gut. Wenn es aber zu dem Punkt kommt, an dem politische Konflikte auf den Plan kommen, ist Firewall plötzlich ein eher ungeeigneter Mitspieler und Motivator. Zunächst einmal ist die Organisation unparteiisch und hat sich einzig der Rettung der Menschheit verpflichtet. Zum finde ich es schön, dass Firewall irgendwie diese etwas obskure Organisation ist, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält. Dieser "Illuminati"-Touch ist nützlich, wenn es um die unbegreiflichen Schrecken, ferne Welten hinter Pandora Toren oder die Factors geht. Alles ist Teil einer Verschwörung und die ständige Frage, welche Rolle die TITANs am Ende spielen werden. Aus diesen Gründen möchte ich Firewall in diese Überlegungen nicht einbeziehen. Selbstverständlich kann Firewall eine Teil der politischen Maschine sein, aber eben nicht der Motor.

Was ich hier in den folgenden Wochen machen möchte, ist daher einen etwas anderen Blick auf das Setting zu werfen, um alternative Optionen für Rollenspiel in der Welt von Eclipse Phase zu bieten, die einen sozio-politischeren Hintergrund haben. Ich will nicht das Spiel neu erfinden oder völlig verändern, sondern vielmehr seinen Horizont ein kleines bisschen erweitern. Ich mag das Setting wirklich sehr. Selten sind mir beim Durchlesen eines Rollenspiels so häufig spontane Ideen und Plothooks gekommen.

The setting is full of inspiration. Enhance it